Montag, 01. Juli 2013

Agni: Lebens- und Verdauungskraft

Im Ayurveda wird die Ursache einer Erkrankung behandelt, nicht das Symptom. In vielen Fällen stellen Verdauungsprobleme die Ursache für diverse Erkrankungen dar ¬ – egal, welche Beschwerden vorliegen. Der Zustand der Verdauung und „Agni“, das „Verdauungsfeuer“, werden daher immer zuerst untersucht und reguliert. Denn laut den alten Schriften der Veden entstehen alle Krankheiten durch ein schwaches, gestörtes Verdauungsfeuer.

Mit Agni ist aber auch unsere Lebenskraft gemeint. Bei gesunden, lebensfrohen Menschen ist die Lebensflamme sehr groß und hell, bei kränklichen, depressiven Menschen eher klein. Man stirbt, wenn dieses Feuer gelöscht ist. Man lebt lang und frei von Störungen, wenn es richtig funktioniert.

Agni spaltet die Nahrung im Magen auf und regt die Verdauung an. Als Element findet man es jedoch nicht nur in der Verdauung, sondern im ganzen Körper: Jede Zelle steuert ihren Stoffwechsel damit. Daher ist Agni auch für ein funktionierendes Immunsystem zuständig – ist Agni gestört, macht auch das Immunsystem gravierende Probleme.

Die Art, Qualität und Menge der Nahrungsmittel beanspruchen unser Verdauungsfeuer auf unterschiedliche Weise: Optimal funktioniert Agni, wenn der Appetit normal und nicht übermäßig ist, die Verdauung und Ausscheidung glatt und regulär verlaufen, wenn der Atem angenehm und die Zunge nicht belegt sind… Arbeitet Agni suboptimal, kann man durch Diät, Kräuter, Übungen und Meditation regulierend eingreifen.

Die ayurvedische Betrachtungsweise der Verdauung weicht also von der schulmedizinischen Verdauungsphysiologie ab. Es werden keine Enzyme oder einzelne Organe untersucht, sondern das Zusammenspiel der Doshas (Bioenergien) mit Agni und das Entstehen gesunder Gewebe in allen Bereichen, nämlich Plasma, Blut, Muskelfleisch, Fettgewebe, Knochen, Knochenmark und Samen. Geraten die Doshas aus der Balance – ist der Stoffwechsel gestört – treten unterschiedliche Beschwerden auf und Reste bleiben als giftiger Abfall (Ama) im Körper.

Den Zustand von Agni kann ein Ayurveda-Arzt am Puls ertasten. Dabei stellt er fest, welches Gewebe gestört ist, welches Dosha (Kapha, Pitta, Vata) dafür verantwortlich ist und wie hoch die Menge an Giftstoffen im Gewebe des Patienten ist. Ziel jeder Ayurveda-Behandlung ist es, die Giftstoffe aus den tiefen Geweben entgegengesetzt dem Nahrungsweg wieder zurück zum Verdauungstrakt zu bringen und den Körper auf diese Weise zu reinigen.

Denn nur ein starkes, gesundes Agni kann für eine reibungslose, harmonische Zersetzung, Resorption und Assimilation der Nahrung sorgen sowie Mikroorganismen, Bakterien und Toxine im Magen, Dünndarm und Dickdarm vernichten. Deshalb ist es für die Gesundheit sehr wichtig, sein Verdauungsfeuer immer wieder zu stärken und aufrecht zu erhalten.